Zehn Sekunden. So lange dauert es jetzt, die Einwanderungskontrolle am Flughafen Singapur-Changi zu passieren. Sieben Sekunden in Abu Dhabi. Fünf Sekunden in Indien mit Digi Yatra. Im Jahr 2026 verändert die Gesichtserkennung das Flughafenerlebnis grundlegend: 238 US-amerikanische Flughäfen nutzen bereits Biometrie an den Grenzen, Changi strebt 95 % automatisierte Prozesse an, und Europa rollt mit dem Inkrafttreten des EES massiv seine neuen Kontrollschleusen aus. Doch hinter diesen Versprechen von Flüssigkeit verstärkt sich die Debatte über Datenschutz und Einwilligung. Ein weltweiter Überblick über eine Revolution, die Sie bereits bei Ihrem nächsten Flug betrifft.
2. Europa rüstet auf

PARAFE, EES und FaceBoarding: Der Kontinent beschleunigt
Frankreich: PARAFE und die Ambitionen von Air France
Frankreich nutzt das PARAFE-System (Passage Automatisé Rapide Aux Frontières Extérieures) an seinen wichtigsten Flughäfen — Paris-CDG, Orly und Marseille-Provence. Dieses System kombiniert das Auslesen des biometrischen Reisepasses mit Gesichtserkennung, um die Grenzkontrolle für EU-Bürger und bestimmte Partnerländer zu automatisieren. Mit über 200 Millionen Passagieren, die jährlich französische Flughäfen durchqueren, ist die Herausforderung enorm, betont CyberExperts. Air France führt parallel fortgeschrittene Tests eines durchgängigen biometrischen Ablaufs in Roissy durch, unter Aufsicht der CNIL.
Deutschland: Frankfurt setzt auf SITA-TS6-Terminals
Der Flughafen Frankfurt, Europas verkehrsreichster Hub, hat 87 neue biometrische SITA-TS6-Terminals in seinem im April 2026 eröffneten Terminal 3 installiert. Diese Kioske der neuesten Generation kombinieren Passauslesen, Gesichtserkennung und EES-Registrierung in einem einzigen Schritt und reduzieren die Grenzkontrollzeit erheblich, laut Simple Flying.
Italien: FaceBoarding hebt ab
Italien hat sein FaceBoarding-Programm an den Flughäfen Mailand-Linate und Catania gestartet. Das Prinzip: Nach einer erstmaligen biometrischen Registrierung passiert der Passagier alle weiteren Kontrollen — Sicherheit, Lounge und Boarding-Gate — einfach durch Zeigen seines Gesichts. Kein Herausnehmen von Reisepass oder Bordkarte mehr bei jedem Schritt.
EES: Biometrie wird an den Grenzen systematisch
Das Entry/Exit System (EES), das 2026 vollständig in Betrieb ist, schreibt die biometrische Erfassung (Gesichtsfoto und vier Fingerabdrücke) aller Nicht-EU-Bürger bei der Einreise in den Schengen-Raum vor. Diese Einführung erforderte erhebliche Investitionen: Eurostar investierte mehr als 10 Millionen Euro in die Installation biometrischer Kioske in seinen Bahnhöfen, berichtet Regula Forensics.
- PARAFE ist kostenlos und für EU-Bürger über 18 Jahre zugänglich
- Das EES betrifft Nicht-EU-Reisende bei Kurzaufenthalten (max. 90 Tage)
- Frankfurt, Rom, Mailand und Amsterdam haben die fortschrittlichsten Installationen
- Das italienische FaceBoarding ist freiwillig: Der Passagier entscheidet sich zur Anmeldung
3. Die Weltmeister: Changi, Abu Dhabi und die USA

Singapur, Abu Dhabi, USA: Drei Modelle, drei Philosophien
Singapur Changi: 10 Sekunden und kein Reisepass mehr
Singapur ist das weltweite Labor für Flughafen-Biometrie. Das FAST-System (Facial Authentication for Seamless Travel) von Changi ermöglicht die Einreisekontrolle in 10 Sekunden — gegenüber 23 Sekunden zuvor, eine Reduzierung um 56 %. Der Flughafen verfügt über 600 ABCS-Schleusen (Automated Border Control System) und hat seit Programmstart 47 Millionen Reisende ohne Reisepass abgefertigt, berichtet Fortune. Das Ziel für 2026: 95 % vollständig automatisierte Prozesse vom Check-in bis zum Boarding.
Abu Dhabi Zayed: Der erste „dokumentenlose » Flughafen
Der Zayed-Flughafen in Abu Dhabi wurde zum weltweit ersten Flughafen, der komplett ohne physische Dokumente funktioniert. Das Smart-Travel-Projekt ermöglicht dort das Passieren jedes Kontrollpunkts in 7 Sekunden — gegenüber 25 Sekunden zuvor, eine Reduzierung um 72 %. Fünf der neun Kontrollpunkte sind bereits in Betrieb, und das System erfordert keine Voranmeldung: Das Gesicht des Reisenden wird automatisch in Echtzeit mit den Einwanderungsdatenbanken abgeglichen, laut CNN Travel.
USA: TSA, CBP und CLEAR verschmelzen
In den USA ist die Einführung massiv, aber fragmentiert. Das CBP (Customs and Border Protection) nutzt Biometrie in 238 Flughäfen für Grenzkontrollen, laut der offiziellen CBP-Website. Parallel dazu hat sich die TSA (Transportation Security Administration) mit CLEAR zusammengeschlossen, um biometrische Schleusen an drei Pilotflughäfen einzusetzen, mit geplanter Ausweitung auf das gesamte Netz, berichtet Nextgov. Der Flughafen Orlando testet die Walk-through-Verifizierung — der Passagier geht einfach durch einen Korridor, ohne anzuhalten, und wird in Bewegung identifiziert. Delta Air Lines hat sogar den biometrischen Bag Drop eingeführt, eine vollständig per Gesichtserkennung gesteuerte Gepäckaufgabe, laut WebProNews.
Die Vorbereitung auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (USA, Kanada, Mexiko) beschleunigt die Entwicklung zusätzlich: Die Flughäfen der Austragungsstädte verstärken massiv ihre biometrischen Kapazitäten, um den Ansturm von Millionen von Fans zu bewältigen.
- Changi ist rund um die Uhr mit 600 automatisierten Schleusen in Betrieb
- Abu Dhabi verlangt keine vorherige Anmeldung vom Reisenden
- In den USA ist CLEAR kostenpflichtig (~189 $/Jahr), aber TSA PreCheck bleibt für Bürger kostenlos
- British Airways hat dank Biometrie 400 Passagiere in 22 Minuten an Bord gebracht
4. Asien, das Labor der Flughafen-Biometrie

Japan, Thailand, Indien: Drei Ansätze, ein gemeinsames Ziel
Japan: Face Express und kontaktlose Kioske
Japan setzt sein Face Express-System an den Flughäfen Haneda und Narita ein, den beiden wichtigsten Eingangstoren des Landes. NEC, der japanische Biometrie-Riese, liefert Walkthrough-Schleusen der neuesten Generation: Der Passagier durchquert die Schleuse, ohne anzuhalten, ohne eine Taste zu drücken und ohne einen Bildschirm zu berühren. Die Kioske werden per Gesten gesteuert, eine Post-Pandemie-Innovation, die jeglichen physischen Kontakt eliminiert, laut Biometric Update. Japan strebt 60 Millionen Besucher pro Jahr bis 2030 an, und Biometrie steht im Zentrum dieser Empfangsstrategie.
Thailand: Blitzschnelle Einführung an 6 Flughäfen
Thailand hat mit der gleichzeitigen Einführung seines biometrischen Systems an sechs Flughäfen ab November 2024 ein starkes Zeichen gesetzt — sowohl für Inlands- als auch für internationale Flüge. Das One-ID-System in Bangkok ermöglicht es dem Passagier, sein Gesicht einmalig bei Ankunft am Terminal zu registrieren und danach alle weiteren Kontrollen ohne Dokument zu passieren. Eine logistische Meisterleistung für ein Land, das jährlich über 30 Millionen Touristen empfängt.
Indien: Digi Yatra, das Modell „Daten auf dem Smartphone »
Das indische Programm Digi Yatra ist zweifellos das ehrgeizigste der Welt in Bezug auf Umfang und Philosophie. Es ist an 24 Flughäfen im Einsatz, hat bereits 61 Millionen Reisen verarbeitet und zählt 15 Millionen App-Downloads. Die Durchlasszeit pro Passagier ist auf 5 Sekunden gesunken — die schnellste der Welt. Doch die eigentliche Innovation liegt anderswo: Die biometrischen Daten werden auf dem Gerät des Reisenden gespeichert, nicht auf einem zentralen Server, und werden innerhalb von 24 Stunden nach dem Flug gelöscht. Ein Modell des „Privacy by Design », das als Referenz gilt, laut AFAR.
- In Japan funktionieren die NEC-Schleusen per Gesten, ganz ohne physischen Kontakt
- In Thailand deckt das System Inlands- und internationale Flüge ab
- Digi Yatra speichert die Daten auf dem Smartphone des Passagiers, nicht auf einem Server
- Indien löscht biometrische Daten innerhalb von 24 Stunden nach dem Flug
5. Zeitersparnis: Der weltweite Vergleich
Das zentrale Versprechen der Gesichtserkennung am Flughafen ist die Zeitersparnis. Hier sind die von Betreibern und Behörden dokumentierten Zahlen, zusammengestellt aus offiziellen Quellen:
| Flughafen / System | Vorher | Nachher | Ersparnis | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Singapur Changi | 23 s | 10 s | -56 % | Fortune |
| Abu Dhabi Zayed | 25 s | 7 s | -72 % | CNN |
| Indien (Digi Yatra) | ~60 s | 5 s | -92 % | AFAR |
| ICAO Journey Pass (Australien) | — | — | -30 % | tom.travel |
| British Airways (Boarding) | ~40 Min. | 22 Min. | -45 % | Regula |
Die Zeitgewinne bemessen sich nicht nur in individuellen Sekunden. British Airways hat bei biometrischen Tests 400 Passagiere in 22 Minuten an Bord gebracht — eine Zeit, die mit herkömmlicher manueller Überprüfung unmöglich wäre. Auf der Ebene eines Flughafens wie Changi (68 Millionen Passagiere im Jahr 2025) bedeuten selbst wenige eingesparte Sekunden pro Reisenden Hunderte von eingesparten Stunden jeden Tag.
6. DSGVO und Datenschutz: Was das Recht sagt

Biometrische Daten: Der strengste europäische Rechtsrahmen der Welt
In Europa genießen biometrische Daten den höchsten rechtlichen Schutz. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stuft biometrische Daten in die Kategorie der sensiblen Daten (Artikel 9) ein, deren Verarbeitung grundsätzlich verboten ist, außer in streng geregelten Ausnahmefällen. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat spezifische Leitlinien zur Gesichtserkennung an Flughäfen erlassen und dabei ein grundlegendes Prinzip aufgestellt: Einzelpersonen müssen maximale Kontrolle über ihre biometrischen Daten haben.
Konkret fordert der EDSA:
- Die ausdrückliche Einwilligung des Passagiers ist vor jeder biometrischen Erfassung erforderlich
- Eine nicht-biometrische Alternative muss stets angeboten werden (manuelle Schlange, menschliche Überprüfung)
- Die Speicherung der Daten auf dem Smartphone des Passagiers ist einer zentralen Speicherung vorzuziehen
- Die Daten müssen gelöscht werden, sobald der Zweck erfüllt ist (Ende des Flugs, Verlassen des Terminals)
In Frankreich spielt die CNIL die Rolle eines aktiven Wächters. Sie hat einen detaillierten Referenzrahmen zur Gesichtserkennung an Flughäfen veröffentlicht und daran erinnert, dass „der Einsatz von Biometrie nicht zur Standardnorm werden darf » und dass eine „Datenschutz-Folgenabschätzung » vor jeder Einführung obligatorisch ist.
In den USA: Ein deutlich lockererer Rahmen
Die Situation jenseits des Atlantiks ist radikal anders. Es gibt kein Bundesgesetz, das den Einsatz von Biometrie an Flughäfen spezifisch regelt. Nur wenige Bundesstaaten (Illinois, Texas, Washington) verfügen über lokale Gesetze. Die Fotos amerikanischer Staatsbürger, die vom CBP aufgenommen werden, werden 12 Stunden aufbewahrt, die von ausländischen Staatsangehörigen können jedoch bis zu 75 Jahre gespeichert werden, berichtet WebProNews.
7. Ihre Rechte als Reisender: Der praktische Ratgeber
Was Sie vor dem Boarding wissen können (und sollten)
Eine Feststellung drängt sich auf: In den meisten Flughäfen lenkt die Beschilderung die Reisenden in Richtung der biometrischen Schlangen, die oft als schneller und moderner präsentiert werden. Die manuelle Alternative existiert, wird aber selten hervorgehoben. Wie Clubic betont: „Sie haben das Recht abzulehnen, aber niemand sagt es Ihnen. »
In der Europäischen Union
- Sie können die Gesichtserkennung jederzeit ablehnen, ohne Begründung
- Der Flughafen muss eine nicht-biometrische Alternative anbieten
- Sie haben das Recht zu erfahren, welche Daten erhoben werden und wie lange
- Sie können die Löschung Ihrer biometrischen Daten nach dem Flug verlangen
- Ausnahme EES: Für Nicht-EU-Bürger ist die biometrische Erfassung an den Grenzen obligatorisch (keine Alternative)
In den USA
- US-Bürger können den CBP-Gesichtsscan theoretisch ablehnen
- Ausländische Staatsangehörige haben bei der Einreise kein Ablehnungsrecht
- Kein Bundesgesetz schreibt eine maximale Aufbewahrungsdauer vor
Praktische Tipps für Ihren nächsten Flug
- Informieren Sie sich vor der Abreise über die Biometrie-Richtlinien Ihres Flughafens und Ihrer Fluggesellschaft
- Achten Sie auf „Opt-out »- oder „Manuelle Schlange »-Hinweise an den Kontrollpunkten
- Wenn Sie die Biometrie ablehnen, bitten Sie höflich um die Alternative: Der Mitarbeiter ist verpflichtet, sie Ihnen anzubieten
- Bewahren Sie Ihre Bordkarte in Papierform oder auf dem Smartphone für den Fall technischer Probleme auf
8. Was sich bis Ende 2026 ändert

Der Zeitplan der kommenden Einführungen
Das Ende des Jahres 2026 markiert einen Wendepunkt. Mehrere Ereignisse konvergieren, um die weltweite Einführung der Flughafen-Biometrie zu beschleunigen.
In Europa wird das EES-System an allen Schengen-Grenzen vollständig in Betrieb sein. Flughäfen, die von einer Übergangsphase profitiert haben, wechseln in den 100-%-Biometrie-Modus. Die ICAO plant, die Journey-Pass-Tests über Australien hinaus auszuweiten, wobei Gespräche mit mehreren europäischen und asiatischen Ländern laufen, berichtet tom.travel.
In den USA wird die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (11. Juni – 19. Juli) als Großtest für die biometrischen Systeme dienen. Die Flughäfen von New York (JFK, Newark), Los Angeles (LAX), Miami, Houston und Dallas-Fort Worth verstärken ihre Kapazitäten, um Millionen von Fans aus aller Welt aufzunehmen.
In Asien verfolgt Singapur sein Ziel von 95 % automatisierten Prozessen in Changi, Japan setzt die Einführung von Face Express mit Blick auf 60 Millionen jährliche Besucher bis 2030 fort, und Indien erweitert Digi Yatra auf weitere Flughäfen.
Technologische Trends zum Beobachten
- Multimodale Biometrie: Kombination von Gesicht + Iris für erhöhte Genauigkeit
- Walk-through-Verifizierung: Identifizierung in Bewegung, ohne Anhalten oder Posieren
- Dezentrale Speicherung: Daten auf dem Smartphone des Passagiers (Digi-Yatra-Modell)
- Anti-Betrugs-Erkennung: Infrarotsensoren und Lebendigkeitstests gegen Deepfakes
- Interoperabilität: Der Journey Pass der ICAO zielt auf einen einheitlichen weltweiten Standard ab
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Häufig gestellte Fragen zur Gesichtserkennung an Flughäfen
Kann man die Gesichtserkennung am Flughafen ablehnen?
In der Europäischen Union: Ja. Die DSGVO schreibt vor, dass die Einwilligung für die Verarbeitung biometrischer Daten ausdrücklich sein muss. Flughäfen und Fluggesellschaften müssen eine nicht-biometrische Alternative anbieten (manuelle Schlange, Überprüfung durch einen Mitarbeiter). Ausnahme: Grenzkontrollen im Rahmen des EES sind für Nicht-EU-Bürger obligatorisch. In den USA können Bürger theoretisch ablehnen, ausländische Reisende haben dieses Recht bei der Einreise jedoch nicht. Quellen: EDSA, Clubic.
Wie lange werden biometrische Daten aufbewahrt?
Das hängt vom Land und System ab. In Indien (Digi Yatra) werden die Daten auf dem Smartphone des Passagiers gespeichert und innerhalb von 24 Stunden gelöscht. In den USA bewahrt das CBP die Fotos amerikanischer Staatsbürger 12 Stunden auf, die von Ausländern können jedoch bis zu 75 Jahre gespeichert werden. In Europa empfiehlt der EDSA die Löschung, sobald der Zweck erfüllt ist (Ende des Flugs oder Verlassen des Terminals). Das EES-System bewahrt die biometrischen Daten von Nicht-EU-Reisenden 3 Jahre auf. Quellen: CBP, AFAR.
Welcher Flughafen ist dank Gesichtserkennung der schnellste?
Bei der individuellen Durchlasszeit hält das indische Programm Digi Yatra den Weltrekord mit 5 Sekunden pro Passagier an 24 Flughäfen. Abu Dhabi Zayed folgt mit 7 Sekunden und Singapur Changi mit 10 Sekunden. Beim gesamten Boarding hat British Airways es geschafft, 400 Passagiere in 22 Minuten dank Biometrie an Bord zu bringen. Quellen: CNN, Fortune.
Funktioniert die Gesichtserkennung mit Maske oder Brille?
Moderne Gesichtserkennungssysteme an Flughäfen erreichen über 99,5 % Genauigkeit und funktionieren mit Brille, Bart, veränderter Frisur oder leichter Alterung. Masken, die den unteren Gesichtsbereich bedecken, reduzieren die Genauigkeit jedoch erheblich. Seit dem Ende der Gesundheitsauflagen verlangen die Schleusen in der Regel, dass das Gesicht vollständig sichtbar ist. Die neuesten Generationen (NEC, IDEMIA) verwenden Infrarotsensoren und multimodale Biometrie (Gesicht + Iris) für den Betrieb unter allen Bedingungen. Quelle: Simple Flying.
Braucht man einen biometrischen Reisepass für die automatischen Schleusen?
Ja, in den allermeisten Fällen. Die automatischen Schleusen (PARAFE in Frankreich, e-Gates anderswo) vergleichen Ihr Live-Gesicht mit dem im RFID-Chip Ihres biometrischen Reisepasses gespeicherten Foto. Wenn Ihr Reisepass nicht biometrisch ist (kein Chip), müssen Sie die manuelle Schlange mit einem Beamten nutzen. Ausnahmen: Einige Systeme wie Digi Yatra in Indien funktionieren mit einem vorab in der App registrierten Foto, unabhängig vom Passtyp. Quelle: Regula Forensics.
Welche Flughäfen in Deutschland nutzen 2026 Gesichtserkennung?
Der Flughafen Frankfurt ist mit 87 neuen SITA-TS6-Terminals im Terminal 3 Deutschlands Vorreiter bei der biometrischen Grenzkontrolle. In Frankreich sind die wichtigsten Flughäfen mit biometrischen PARAFE-Schleusen ausgestattet: Paris-Charles de Gaulle, Paris-Orly und Marseille-Provence. Das System steht EU-, EWR- und Schweizer Bürgern über 18 Jahren offen. Mit dem EES verfügen nun alle Flughäfen mit Schengen-Außengrenzkontrollpunkt über biometrische Terminals. Quellen: CyberExperts, CNIL.
Kann die Gesichtserkennung durch ein Foto oder Deepfake getäuscht werden?
Moderne Flughafensysteme verfügen über Anti-Spoofing-Vorrichtungen (Liveness Detection), die Betrugsversuche durch Fotos, Videos, Masken oder Deepfakes erkennen. Infrarotsensoren überprüfen das Vorhandensein eines lebendigen 3D-Gesichts, und Lebendigkeitstests verlangen manchmal eine Mikrobewegung (Blinzeln, Kopfdrehung). Anbieter wie iProov, NEC und IDEMIA entwickeln speziell Anti-Deepfake-Technologien. Bisher wurde kein Fall eines erfolgreichen biometrischen Betrugs an einem Flughafen öffentlich dokumentiert. Quelle: Simple Flying.
Was passiert, wenn die Gesichtserkennung mich nicht erkennt?
Wenn das System Sie nicht identifizieren kann (defekter Passchip, unzureichende Beleuchtung, starke äußerliche Veränderung), werden Sie an einen Beamten weitergeleitet, der die Überprüfung manuell durchführt. Das dauert einige Minuten länger, ist aber keinesfalls ein Grund für eine Boardingverweigerung. Um Probleme zu vermeiden: Stellen Sie sicher, dass der Chip Ihres Reisepasses funktioniert (testen Sie ihn mit der ReadID-App), nehmen Sie Sonnenbrille und Hut vor der Kontrolle ab, und schauen Sie direkt in die Kamera. Quelle: Regula Forensics.
Quellen
- CNIL — Gesichtserkennung an Flughäfen: Herausforderungen und Grundprinzipien
- EDSA (EDPB) — Facial recognition at airports: maximum control over biometric data
- Clubic — Gesichtserkennung am Flughafen: Sie haben das Recht abzulehnen
- tom.travel — Australien als erstes Land für den Journey Pass der ICAO
- Fortune — Singapore airport immigration: facial recognition and iris biometrics
- Simple Flying — New facial recognition technology at airports
- Biometric Update — NEC supplying biometric walkthrough gates for Japanese airports
- CyberExperts — Biometrie: Französische Flughäfen vor technologischen Entscheidungen
- CBP — Biometrics at airports (offizielle Seite)
- Nextgov — TSA and CLEAR rolling out biometric e-gates
- CNN Travel — Abu Dhabi Smart Travel Project
- WebProNews — Facial recognition revolutionizes US airports in 2026
- AFAR — New facial recognition tech is coming to airports
- Regula Forensics — Biometric boarding: the complete guide
Recherche durchgeführt am 16. März 2026
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1. So funktioniert die Gesichtserkennung am Flughafen
Ein Gesicht als Bordkarte
Das Prinzip ist einfach: Eine Kamera erfasst Ihr Gesicht, ein Algorithmus vergleicht es mit dem im Chip Ihres biometrischen Reisepasses gespeicherten Foto, und das System bestätigt Ihre Identität in wenigen Sekunden. Diese Überprüfung kann an jedem Kontrollpunkt erfolgen — Check-in, Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle, Wartebereich, Boarding-Gate — und schafft einen sogenannten „seamless » Ablauf, bei dem das Gesicht den Reisepass und die Bordkarte ersetzt, wie Regula Forensics erläutert.
Die großen Technologieunternehmen — SITA, IDEMIA, NEC, iProov und CLEAR — entwickeln immer ausgefeiltere Systeme. Die neuesten Generationen integrieren multimodale Biometrie (Gesicht + Iris), Infrarotsensoren für den Betrieb bei allen Lichtverhältnissen und Anti-Spoofing-Vorrichtungen, die Betrugsversuche durch Fotos oder Masken erkennen können, wie Simple Flying berichtet.
Die ICAO-Vision: der Journey Pass
Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) treibt das Konzept mit ihrem Journey Pass noch weiter voran — einem digitalen Reisedokument, das die biometrische Identität des Passagiers zentralisiert. Das Ziel: Gesichtserkennung an jedem Kontrollpunkt des Flughafenparcours ermöglichen, von der Ankunft am Terminal bis zum Boarding-Gate. Australien ist das erste Land, das dieses System testet, mit einer beobachteten Reduzierung der Bearbeitungszeit um 30 % während der Pilotversuche, berichtet tom.travel.