Seit dem 12. November 2025 ist Ryanair die erste große Fluggesellschaft, die die Papier-Bordkarte vollständig abgeschafft hat: Nur noch die App myRyanair gilt beim Boarding als gültiger Nachweis. Ohne vorherigen Online-Check-in kostet das Einchecken am Schalter zwischen 30 und 55 € pro Passagier. Ein Sicherheitsnetz existiert zwar (bei leerem Akku gibt es die Bordkarte kostenlos ausgedruckt), doch Portugal hat die Airline bereits am 14. November 2025 abgemahnt, und die europäische Reform, die diese Pflicht verbieten wird, tritt erst Mitte 2027 in Kraft. Prüfen Sie Ihre Bordkarte, bevor Sie zum Flughafen aufbrechen.
Ein leerer Handyakku kann Sie bei Ryanair heute bis zu 55 € kosten. Seit dem 12. November 2025 hat die irische Fluggesellschaft die ausgedruckte Bordkarte auf praktisch ihrem gesamten Streckennetz ausnahmslos abgeschafft: kein Ausdruck von zu Hause, kein per E-Mail verschicktes PDF, beim Boarding zählt nur noch die App myRyanair. Dieser Guide erklärt, wie das neue System tatsächlich funktioniert, in welchen Situationen es zum Problem wird und was die europäische Regulierung 2026 bereits ändert, oder noch nicht.
1. Der 12. November 2025: Ryanair macht endgültig Schluss mit Papier
Die Idee kam nicht über Nacht. Bereits am 3. Oktober 2024 kündigte CEO Michael O’Leary an, das Papier vollständig abschaffen zu wollen, mit einem ursprünglichen Zieltermin zum 1. Mai 2025. Laut Irish News sprach er schon damals von dem geplanten Sicherheitsnetz für technische Probleme: Ist der Akku eines Passagiers leer, verfügt das Bodenpersonal über dessen Sitzplatz und Reisepassdaten und kann die Angelegenheit direkt am Gate klären. Der Zeitplan verschob sich anschließend zweimal: zunächst auf den 3. November 2025, dann, laut einer offiziellen Ryanair-Mitteilung vom 24. September 2025, endgültig auf den 12. November 2025, um nicht mit den britischen Herbstferien (den sogenannten „half-term“-Ferien) zusammenzufallen.
Am Starttag meldete Ryanair einen vollen Erfolg: Laut der eigenen „Day One“-Mitteilung wurden bis 13 Uhr über 700 Flüge durchgeführt, mehr als 100.000 Passagiere abgefertigt, 98 % davon mit digitaler Bordkarte, und keine einzige Verspätung, die dem neuen System zuzuschreiben gewesen wäre. Eine Zahl, die mit der gebotenen Vorsicht zu lesen ist, da sie von keiner unabhängigen Stelle geprüft wurde. Diese Umstellung betrifft im Übrigen nur die Bordkarte: Die Handgepäckgebühren bei Ryanair und easyJet bleiben ein eigenes Thema mit eigenen Regeln.

Dublin, die Heimatbasis von Ryanair
Über Ryanair zu sprechen, ohne Irland zu erwähnen, ist kaum möglich: Dort hat die Fluggesellschaft ihren Sitz, und Dublin zählt weiterhin zu den meistgenutzten Ausgangspunkten ihres Streckennetzes. Auch von deutschen Standorten wie Köln/Bonn, Memmingen oder Frankfurt-Hahn aus fliegt Ryanair regelmäßig in die irische Hauptstadt, wo viele Reisende zum ersten Mal mit der neuen digitalen Bordkarte in Berührung kommen. Vor Ort lässt sich Dublin in wenigen Tagen erkunden, zwischen Trinity College, den Ufern des Liffey und den Destillerien im Liberties-Viertel: unsere Auswahl an Erlebnissen in Dublin hilft beim Planen, ob rund um den irischen Nationalfeiertag oder nicht.
Höhepunkte
- Eine kompakte Hauptstadt, die sich vom historischen Zentrum aus größtenteils zu Fuß erkunden lässt
- Ein praktischer Ausgangspunkt für die Atlantikküste und die Grafschaft Clare
- Eine besonders dichte Pub-Kultur und Whiskey-Szene
3. Wo es für bestimmte Reisende wirklich hakt
Der am besten dokumentierte Fall bleibt das fehlende Smartphone. Im Vereinigten Königreich, vergleichbar mit dem europäischen Durchschnitt, besitzen laut Which? 17 % der Menschen ab 65 Jahren gar keines; das Magazin beruft sich dabei auf Zahlen von Ofcom (2024) und Statista (23 % der Über-65-Jährigen, 7 % der 55- bis 64-Jährigen). Eine weitere von Which? zitierte Zahl: Rund 2,06 Millionen Britinnen und Briten ab 55 Jahren besitzen überhaupt kein Mobiltelefon, unabhängig vom Typ. Auf diesen Punkt angesprochen, erklärte Ryanair, 100 % der erwachsenen Passagiere besäßen und nutzten regelmäßig ein Smartphone, weigerte sich jedoch, dafür auch nur den geringsten statistischen Beleg vorzulegen.
Für Deutschland liegen ähnliche Zahlen vor: Laut Bitkom nutzten im August 2023 nur 48 % der Menschen ab 65 Jahren tatsächlich ein Smartphone, bei den über 75-Jährigen verfügten insgesamt nur 55 % über irgendein Mobiltelefon, Smartphone oder klassisches Handy. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) reagierte bereits am 6. November 2025, kurz vor dem Start der neuen Regelung, mit deutlicher Kritik. Fluggastrechte-Referent André Duderstaedt warnte laut ingenieur.de: „Mobilität darf nicht an das technische Geschick oder die technischen beziehungsweise tatsächlichen Möglichkeiten von Reisenden geknüpft werden. Es darf nicht zum Ausschluss von einzelnen Gruppen kommen.“ Der vzbv war zuvor bereits mehrfach juristisch gegen Ryanair vorgegangen, unter anderem wegen einer unzulässigen Kreditkartengebühr. In Österreich, wo der Check-in am Schalter bis zu 40 € kostet, kritisierten Verbraucherschützer laut ORF vor allem das Prinzip „nicht digital heißt teurer“.
Eine weitere, weniger sichtbare, aber sehr reale Reibungsquelle sind Buchungen über ein Reisebüro oder eine Betriebsvereinbarung. Manche nicht-partnerschaftlichen Vermittler tragen ihre eigene E-Mail-Adresse anstelle der des Reisenden in das Ryanair-System ein, was den Zugang zur offiziellen App myRyanair erschweren kann. In diesem Fall wird mitunter eine kostenpflichtige Identitätsprüfung von 0,59 € verlangt. Am besten prüfen Sie direkt nach der Buchungsbestätigung, ob die bei Ryanair hinterlegte Adresse wirklich Ihre eigene ist, und legen Sie ohne Verzögerung ein persönliches myRyanair-Konto an.
Auch App-Fehler sind kein Randphänomen. Die Bewertung der App im Google Play Store liegt bei lediglich 3,25 von 5 Sternen (380.000 Rezensionen), gegenüber 4,47 von 5 bei 78.000 Rezensionen für die iOS-Version, ein Unterschied, der auf häufigere Stabilitätsprobleme unter Android hindeutet. Bereits im März 2025, mitten in der Ferienzeit, hatte ein größerer Ausfall der Website Hunderten Nutzerinnen und Nutzern den Zugriff auf ihre Flüge versperrt.
- Gar kein Smartphone: Der Online-Check-in ist weiterhin über einen Computer möglich (der eigene, der eines Angehörigen, ein öffentliches Terminal), solange er vor der Ankunft am Flughafen erledigt wird.
- Buchung über ein Reisebüro oder eine Betriebsvereinbarung: Prüfen Sie die bei Ryanair hinterlegte E-Mail-Adresse und legen Sie Ihr eigenes myRyanair-Konto an.
- Mehrere Passagiere auf derselben Buchung: Beim Wechseln zwischen den Bordkarten wurden Abstürze gemeldet, besonders unter Android.
- Weniger digital-affine Reisende: Die irische Organisation Age Action erklärte durch ihre Sprecherin Camille Loftus, die Maßnahme werde „ältere Passagiere dazu zwingen, mit anderen Fluggesellschaften zu reisen, oft zu höheren Kosten, oder ihnen das Fliegen schlicht unmöglich machen“. Michael O’Leary bezeichnete diese Bedenken als herablassend und verwies darauf, dass er die App selbst mit 64 Jahren benutze.
4. Das offizielle Sicherheitsnetz, und seine ganz reale Grenze
Ryanair hat sein System um eine einzige Unterscheidung herum aufgebaut: ob der Online-Check-in vor der Ankunft am Flughafen erfolgt ist oder nicht.
| Situation | Was Ryanair anbietet | Kosten |
|---|---|---|
| Online eingecheckt, Handy verloren oder Akku leer, vor der Sicherheitskontrolle | Ausgedruckte Bordkarte am Schalter | Kostenlos |
| Online eingecheckt, Problem nach der Sicherheitskontrolle | Direkte Unterstützung am Gate über die Sequenznummer | Kostenlos |
| Kein Smartphone, aber über Dritte eingecheckt | Ausgedruckte Bordkarte am Schalter | Kostenlos |
| Kein Online-Check-in vor dem Flughafen | Check-in und Bordkarte am Schalter | 30 bis 55 € |

Eine Grenze, die kaum Raum für Fehler lässt
Genau diese Grenze zwischen „ich habe eingecheckt, aber ein technisches Problem“ (abgesichert, kostenlos) und „ich habe nicht eingecheckt“ (kostenpflichtig, 30 bis 55 €) ist am anfälligsten für menschliche Fehler. Ein britisches Rentnerpaar im Alter von 79 und 80 Jahren wurde mit 110 £ (je 55 £) belastet, nachdem es sich versehentlich für den Rückflug statt den Hinflug eingecheckt hatte. Ryanair hielt an der Gebühr fest und verwies auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Das System hat zudem etwas Paradoxes: Nicht das Ausdrucken einer Bordkarte an sich ist untersagt, sondern das eigenständige Ausdrucken vor der Abreise. Das Ryanair-Personal selbst druckt weiterhin kostenlos Bordkarten am Schalter für Passagiere, die eine benötigen.
Höhepunkte
- Prüfen Sie jede Bordkarte einzeln (richtiger Flug, richtige Richtung Hin- oder Rückflug), bevor Sie das Haus verlassen
- Ein Flug ab Marokko erfordert weiterhin eine Papier-Bordkarte, unabhängig von der sonstigen Ryanair-Politik
- In Albanien war laut einer Ende 2025 angekündigten Vereinbarung ab März 2026 eine Umstellung auf digital vorgesehen
5. Portugal, Europäisches Parlament: der regulatorische Gegenwind formiert sich
Portugal war das erste europäische Land, das einen verbindlichen Rahmen festgelegt hat. In einer offiziellen Mitteilung vom 14. November 2025 mahnte die ANAC (die portugiesische Zivilluftfahrtbehörde) Ryanair ab: Die Airline müsse jedes Verhalten unterlassen, das einem bereits eingecheckten Passagier das Boarding allein deshalb verweigert, weil keine digitale Bordkarte vorliegt, und dürfe die Ausstellung einer Papier-Bordkarte in diesem Fall nicht in Rechnung stellen. Laut Euronews musste Ryanair seine Kommunikation in den folgenden Tagen entschärfen.
Am 1. Oktober 2025 reichte der polnische Europaabgeordnete Kosma Złotowski (Fraktion EKR) eine parlamentarische Anfrage beim Europäischen Parlament ein und fragte die Europäische Kommission nach der Vereinbarkeit dieser Politik mit dem Diskriminierungsverbot und der europäischen Fluggastrechteverordnung. Eine förmliche Antwort der Kommission liegt bislang nicht vor.
Die jüngste und für Reisende 2026 unmittelbar relevanteste Entwicklung betrifft die Reform der europäischen EU261-Verordnung zu Fluggastrechten, die erste größere Überarbeitung seit 2004. Am 15. Juni 2026 einigten sich Europäisches Parlament und Rat politisch; das Parlament nahm die Reform am 7. Juli 2026 im Plenum an (646 Ja- zu 12 Nein-Stimmen), der Rat billigte sie am 13. Juli 2026, so Euronews. Der Text wird es Fluggesellschaften ausdrücklich untersagen, das Herunterladen einer App zur Voraussetzung für die Bordkarte zu machen, und sie verpflichten, ausgedruckte Bordkarten nach einem digitalen Check-in kostenlos zu akzeptieren. Eine weitere europäische Reform mit Auswirkungen auf Low-Cost-Airlines, unser Artikel darüber, was sich durch das neue EU-Gesetz zum Handgepäck ändert, bewegt sich auf einem vergleichbaren Zeitplan.
Es bleibt eine erhebliche zeitliche Lücke: Dieser Schutz tritt erst Mitte 2027 in Kraft. Bis dahin unterliegen Ryanair-Passagiere weiterhin den aktuellen Regeln, ohne verstärktes regulatorisches Sicherheitsnetz, falls das Handy ausfällt, das Flughafen-WLAN streikt oder die App schlicht nicht beherrscht wird.
6. Ryanair steht mit dieser Politik unter den Low-Cost-Airlines allein da
Selbst im allgemeinen Trend zur Digitalisierung ist keine andere große Fluggesellschaft mit Europa-Strecken Ryanair bis zum Schluss gefolgt. Alle akzeptieren weiterhin eine ausgedruckte Bordkarte, von zu Hause oder am Schalter, ohne Aufpreis.
| Fluggesellschaft | Papier-Bordkarte akzeptiert | Gebühr ohne Online-Check-in |
|---|---|---|
| Ryanair | Nein (außer Marokko und Albanien bis März 2026) | 30 bis 55 € |
| easyJet | Ja, auf dem Bildschirm oder ausgedruckt | „Nur online“-Modell, keine vergleichbare Pauschalgebühr |
| Wizz Air | Ja, zu Hause ausgedruckt | Rund 40 € |
| Transavia | Ja, zu Hause ausgedruckt | Nicht kommuniziert |
| British Airways, Jet2, TUI, Virgin Atlantic | Ja | Keine |
Laut MoneySavingExpert akzeptieren achtzehn von easyJet angeflogene Flughäfen, darunter Marrakesch, Antalya, Izmir, Sharm el-Sheikh, Hurghada und Kairo, die mobile Bordkarte gar nicht und verlangen eine ausgedruckte Version, ein Beleg dafür, dass selbst die am stärksten digitalisierten Airlines dort ein Papier-Sicherheitsnetz behalten, wo es die Gegebenheiten vor Ort erfordern. Selbst Wizz Air, oft wegen ihrer aggressiven Preispolitik mit Ryanair verglichen, erlaubt laut HuffPost UK weiterhin ohne Diskussion das Ausdrucken zu Hause. Es handelt sich also nicht um einen branchenweiten Trend, der früher oder später jeden Reisenden einholen würde, sondern um die Politik einer einzigen Fluggesellschaft, die man vor der Buchung kennen sollte.
7. Die Checkliste vor jedem Ryanair-Flug
- Checken Sie online ein, bevor Sie zum Flughafen aufbrechen: Das entscheidet darüber, ob ein Zwischenfall kostenlos gelöst oder zum vollen Tarif berechnet wird.
- Laden Sie Ihre Bordkarte über ein zuverlässiges Netzwerk in der App herunter und fügen Sie sie so schnell wie möglich zu Apple Wallet hinzu.
- Laden Sie Ihr Handy vollständig auf oder nehmen Sie eine Powerbank mit: Diese muss ins Handgepäck, niemals in den aufgegebenen Koffer, mit einer Obergrenze von 100 Wh ohne vorherige Zustimmung der Airline.
- Notieren Sie Ihre Buchungsnummer (PNR) separat, auf Papier oder auf einem anderen Gerät, für den Fall eines vollständigen Zugriffsverlusts auf Ihr Handy.
- Eine vor der Abreise aktivierte Reise-eSIM sichert den Zugriff auf die App im Ausland, unabhängig von launischem Flughafen-WLAN: unser Vergleich der Reise-eSIMs hilft bei der Wahl des passenden Tarifs.
- Buchung über ein Reisebüro oder eine Betriebsvereinbarung: Prüfen Sie, dass die bei Ryanair hinterlegte E-Mail-Adresse wirklich Ihre eigene ist, nicht die des Vermittlers.
Praktische Infos für Ihren nächsten Flug
Eine Datenverbindung unabhängig vom Flughafen-WLAN, um Ihre Bordkarte überall herunterzuladen oder anzuzeigen, ganz ohne launisches Captive-Portal. Unser Vergleich der Reise-eSIMs hilft bei der Wahl des passenden Tarifs je nach Reiseziel.
Datentarife ab Ankunft verfügbarMedizinische Deckung, Gepäck- und Stornoschutz für Ihre Reise. Eine Boarding-Verweigerung wegen fehlender Bordkarte oder App-Ausfall ist davon nicht abgedeckt: Dieses spezielle Risiko liegt in Ihrer eigenen Verantwortung und lässt sich mit der Checkliste dieses Artikels vermeiden. Unser Vergleich der Reiseversicherungen 2026 zeigt im Detail, was jeder Vertrag wirklich abdeckt.
Online-Abschluss in wenigen MinutenHäufig gestellte Fragen
Kann man seine Ryanair-Bordkarte 2026 noch zu Hause ausdrucken?
Nein, seit dem 12. November 2025 gilt das für praktisch das gesamte Streckennetz. Die einzigen bestätigten Ausnahmen sind Flüge ab Marokko, wo die dortigen Vorschriften weiterhin Papier vorschreiben, sowie Albanien, wo laut Ryanair Corporate ab März 2026 eine Umstellung auf digital vorgesehen war.
Was passiert, wenn mein Handy am Flughafen den Geist aufgibt?
Wenn Sie bereits online eingecheckt haben, stellt Ryanair vor der Sicherheitskontrolle kostenlos eine Papier-Bordkarte am Schalter aus oder hilft Ihnen nach der Sicherheitskontrolle direkt am Gate über Ihre Sequenznummer weiter. Dieser Service kostete vor dem 12. November 2025 noch 20 €, ist laut Ryanair-Hilfezentrum inzwischen aber kostenlos.
Was kostet der Check-in am Flughafen, wenn ich online nicht eingecheckt habe?
Zwischen 30 und 55 € pro Passagier, je nach Land und Abflughafen. Dieser Betrag wird fällig, sobald der Online-Check-in nicht vor der Ankunft am Flughafen erfolgt ist, unabhängig vom Grund, so Which?.
Reicht ein Screenshot der Bordkarte am Gate aus?
Das ist nicht garantiert. Ryanair setzt auf die Live-Anzeige in der App mit einem dynamischen QR-Code, der Betrug verhindern soll: Ein Screenshot kann am Gate abgelehnt werden oder sich schlecht scannen lassen. Er eignet sich laut Which? nur als Gedächtnisstütze, nie als Rückfalllösung.
Meine Buchung lief über ein Reisebüro: Muss ich trotzdem die App myRyanair nutzen?
Ja. Prüfen Sie, dass die bei Ryanair hinterlegte E-Mail-Adresse wirklich Ihre eigene ist und nicht die des Vermittlers, um direkten Zugriff auf die App zu haben und Check-in-Erinnerungen zu erhalten. Für Buchungen über nicht-partnerschaftliche Drittanbieter kann laut Ryanair-Hilfezentrum eine kostenpflichtige Identitätsprüfung von 0,59 € verlangt werden.
Ist diese Politik nach europäischem Recht überhaupt zulässig?
2026 ist das eine Grauzone. Portugal hat Ryanair bereits im November 2025 in diesem Punkt förmlich abgemahnt, und im Oktober 2025 wurde eine parlamentarische Anfrage im Europäischen Parlament eingereicht. In Deutschland forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im selben Monat einen alternativen Zugang für alle Reisenden, ohne dass es bislang zu einem förmlichen Verfahren kam. Die im Juli 2026 verabschiedete Reform der EU261-Verordnung wird diese Praxis ausdrücklich verbieten, tritt aber laut portugiesischer Luftfahrtbehörde ANAC erst Mitte 2027 in Kraft.
Haben easyJet, Wizz Air und andere Low-Cost-Airlines dieselbe Politik wie Ryanair?
Nein. Alle großen Fluggesellschaften in Europa, darunter easyJet, Wizz Air, Transavia, British Airways, Jet2, TUI und Virgin Atlantic, akzeptieren weiterhin eine ausgedruckte Bordkarte, ob von zu Hause oder am Schalter, ohne Aufpreis. Ryanair ist laut MoneySavingExpert die einzige Airline, die Papier vollständig verbannt hat.
Was sollten Sie vor der Abreise tun, um jede Blockade zu vermeiden?
Checken Sie online ein, bevor Sie das Haus verlassen, laden Sie die Bordkarte offline herunter, fügen Sie sie zu Apple Wallet hinzu, reisen Sie mit einem geladenen Handy oder einer Powerbank, und notieren Sie Ihre Buchungsnummer separat. Die vollständige Checkliste finden Sie weiter oben in diesem Artikel.
Quellen
- Ryanair Corporate: Mitteilung „Day One of Digital Boarding Passes“
- Ryanair Corporate: Bestätigung des Starts zum 12. November 2025
- The Irish News: erste Ankündigung des Vorhabens, Oktober 2024
- The Irish Times: Stimmen vom Starttag
- ANAC Portugal: offizielle Mitteilung Nr. 11/2025
- Euronews: Reaktion Portugals, November 2025
- Europäisches Parlament: parlamentarische Anfrage E-003825/2025
- Euronews: Reform der EU261-Verordnung, Juli 2026
- Which?: Untersuchung zu Passagieren ohne Smartphone
- Bitkom: Studie zur Smartphone-Nutzung bei Über-65-Jährigen in Deutschland, August 2023
- ingenieur.de: Reaktion des vzbv, Zitat von André Duderstaedt
- ORF: Kritik österreichischer Verbraucherschützer am Schalter-Check-in
- vzbv.de: frühere juristische Auseinandersetzung des vzbv mit Ryanair
- Test-Achats / Testaankoop: belgische Reaktion
- TheJournal.ie: Reaktion von Michael O’Leary auf die Kritik von Age Action
- MoneySavingExpert: Vergleich mit anderen Low-Cost-Airlines
- HuffPost UK: Bordkarten-Regeln nach Fluggesellschaft, 2026
- Paddle Your Own Kanoo: Kurskorrektur von Ryanair nach portugiesischem Druck
- Ryanair-Hilfezentrum: Vorgehen bei leerem Akku vor der Sicherheitskontrolle
- Ryanair-Hilfezentrum: Vorgehen nach der Sicherheitskontrolle, vor dem Boarding
- easyJet: Richtlinie zur mobilen Bordkarte
- Transavia: Bordkarten-Richtlinie
- AOL: Fall des mit 110 £ belasteten Rentnerpaars
Recherche und Faktenprüfung im August 2026.

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2. So funktioniert die 100 % digitale Bordkarte
Das Prinzip klingt zunächst einfach: Der Online-Check-in bleibt bis zu 60 Tage vor Abflug geöffnet, sofern ein Sitzplatz gebucht wurde, mindestens aber bis 2 Stunden vor dem Flug. Ist dieser Schritt erledigt, erscheint die digitale Bordkarte automatisch in der App myRyanair, ganz ohne weiteres Zutun. Von dort lässt sie sich zu Apple Wallet hinzufügen, eine zuverlässige Integration, die für praktisch alle Flüge auf Anhieb funktioniert, oder zu Google Wallet, dessen Unterstützung als eher lückenhaft gilt: Mehrere Android-Nutzer berichten von Problemen beim Teilen oder Scannen im entscheidenden Moment.
Einmal heruntergeladen, bleibt die Bordkarte offline verfügbar, was die Abhängigkeit vom Flughafen-WLAN zumindest theoretisch verringert. Ein Reibungspunkt wird jedoch immer wieder gemeldet: Ryanair rät von Screenshots ab, da der QR-Code zur Betrugsprävention aktiv und „live“ in der App bleiben muss. Ein Screenshot kann am Gate deshalb abgelehnt oder falsch gescannt werden: Er taugt bestenfalls als Gedächtnisstütze (Flugnummer, Zeiten), niemals als Rückfalllösung.
Was die App über eine einfache Bordkarte hinaus bietet
Ryanair führt mehrere Funktionen an, um die vollständige Digitalisierung zu rechtfertigen: die Funktion „Order to Seat“ für Bestellungen an Bord direkt über das Handy, Echtzeit-Fluginformationen (Gate, Status, Verspätungen), direkte Benachrichtigungen bei Störungen sowie Vorschläge für Alternativflüge, falls der ursprüngliche Flug annulliert wird. Die Airline betont zudem, dass die Bordkarte mit nativen Screenreadern (VoiceOver und vergleichbaren Android-Lösungen) kompatibel bleibt, für sehbehinderte Passagiere.
Höhepunkte